Was ist FOBO?
Die neue Angst der Stunde heißt FOBO. Während die große Schwester FOMO, die fear of missing out, einen vergleichsweise harmlosen Anstrich hat, geht die fear of becoming obsolete ans Eingemachte. Sie beschreibt die Furcht davor, im Job ersetzt zu werden, insbesondere von KI. FOBO schwappt uns immer häufiger ins Bewusstsein, zum Beispiel in Form von Schlagzeilen über chinesische Arbeiter, die ihre Kolleg:innen als Agenten modellieren.
Dabei fürchtet man nicht nur ein vorübergehendes Gefühl des Nicht-mehr-gebraucht-Werdens. Der worst case ist, nachhaltig irrelevant zu werden. Aber besteht die Gefahr wirklich?
Die verknappte Antwort: Ja, aber mit einer großen Klammer. Eine großangelegte Studie des MIT untersuchte kürzlich, in welcher Dynamik KI-Automation voranschreitet: eher kurz und sprunghaft (“crashing waves”) oder breit und kontinuierlich (“rising tides”). Grob zusammengefasst kann man sagen, dass zwar beide Modi bei KI-Automation zutreffen, allerdings mit einer stärkeren Ausprägung von stetigem Fortschritt.
Für die FOBO-Debatte bedeuten die Daten, dass wir nicht von heute auf morgen von unserer plötzlichen Obsoleszenz überrascht werden. Der Befund zeigt aber (oh Wunder), dass die Fähigkeiten der KI im Ausmanövrieren menschlicher Performance zunehmen und in der Konsequenz auch die KI-Adaption in Unternehmen steigt (aller Hype- und Trend-Unkenrufe zum Trotz). Ein Fazit könnte lauten: Wir haben noch Zeit, uns anzupassen – sollten es aber auch besser tun.
Lebenslanges Lernen gegen Unsicherheit
Während CEOs großer Techkonzerne gern Prognosen abgeben, wann der Mensch (endlich) überflüssig wird (um dann wieder zurückzurudern, wie bei Duolingo oder Klarna), interessiert uns vor allem die Gegenperspektive: Was müssen wir tun, um in einer sich schnell ändernden Umwelt weiterhin sinnvolle und gute Arbeit liefern zu können (im Frithjof Bergmann’schen Sinne)? Dazu fallen uns ein paar Dinge ein.
Zum einen sollten wir uns damit arrangieren, dass die Welt bis auf Weiteres nicht aufhören wird, sich schneller zu drehen. Zunehmend schnellerer Wandel ist das neue Normal. Was wir tun können, ist, uns in diesem Wandel einzurichten und zu lernen, uns mit Veränderung wohlzufühlen. Dafür gibt es viele Strategien, die letztendlich auf dasselbe abzielen: unsere Resilienz, unser Selbstvertrauen, unseren Handlungsspielraum zu bewahren, am besten sogar zu vergrößern.
Eine Strategie, die wir oft als Metaskill bezeichnen, ist das lebenslange Lernen. Dabei meinen wir weniger das Horten von Qualifikationsnachweisen. Vielmehr geht es darum, neben der Fähigkeit, die eigene Neugierde auf neues Wissen nicht zu verlieren, auch das Lernen selbst zu trainieren. Denn zu lernen macht uns besser darin, uns in neue Zusammenhänge einzuarbeiten oder Rückschläge auszuhalten und erweitert die Grenzen dessen, was wir komfortabel aushalten können.
Future Skills als Gegenmittel gegen FOBO
Natürlich ist Lernen auch eine Ressourcenfrage; zu lernen kostet Zeit und meistens auch Geld. Deshalb sollte es auch nicht ganz egal sein, was wir lernen. Geht es um die Zukunft der Arbeit, gibt es einige Skills, die prognostizierbar besser dastehen als andere. Das World Economic Forum nennt einige davon in seinem Future of Jobs Report 2025 – Willkommen in der Welt der Future Skills. Future Skills sind damit das Gegenmittel gegen FOBO.
Im Report des WEF gelten die Fähigkeiten als Future Skills, die schon heute von Arbeitgebern als relevant für die Zukunft eingeschätzt werden (konkret für die Jahre bis 2030). Sie sind also nicht der Wahrheit letzter Schluss, aber ein guter Indikator dafür, was die Welt von morgen bewegt. Zu ihnen zählen unter anderem:
- AI & Big Data
- Technological Literacy
- Creative Thinking
- Talent Management
- Systems Thinking
- Resilience, Flexibility & Agility
- Leadership & Social Influence
- Analytical Thinking
- Empathy & Active Listening
- Curiosity & Lifelong Learning
- Motivation & Self-Awareness
Wenn wir mit Organisationen an ihrer Zukunftsfähigkeit arbeiten, nutzen wir häufig diese Future Skills. Auch in der Dark Horse Academy richten wir unser Trainingsportfolio entlang dieser Skillbereiche aus: Für die meisten der oben Genannten können wir mittlerweile Weiterbildungen anbieten. Der Übersicht halber ordnen wir die Skills zusätzlich in drei Clustern.
(Für alle, die es interessiert, wie sie selbst in diesen Skills abschneiden, haben wir unsere Future Skills Survey entwickelt. Einfach in zwei Minuten ausfüllen und ein eigenes Zukunftsprofil erhalten.)
Future Skills, geclustert und erklärt
Cluster 1: Denken & Verstehen
Analytical Thinking
Analytisches Denken ist unser innerer Detektiv. Es hilft uns, in komplexen Kausalketten nicht das Stolpern anzufangen und Stück für Stück aufzudröseln, was wirklich passiert. Das wird in Zukunft immer wichtiger, weil wir aus einem Meer von Daten und Optionen die richtigen Entscheidungen ableiten müssen.
Creative Thinking
Kreatives Denken ist das Herzstück von Innovation. Wer es beherrscht, ist eher in der Lage, auch in ungünstigen Ausgangssituationen neuartige Lösungen zu finden. Der Skill hinter dem Skill: das kombinieren
Systems Thinking
Systemdenken heißt, Zusammenhänge verstehen und versteckte Dynamiken erkennen, wo andere nur einzelne Probleme sehen. Das ist jetzt schon wichtig, weil unsere komplexen Herausforderungen (z.B. die Klimakrise) nicht in Abteilungssilos lösbar sind.
Design & User Experience
In einer immer stärker personalisierten Zukunft bleibt Nutzerzentrierung weiter wichtig. Dabei verschönert Design nicht nur, sondern sorgt dafür, dass Produkte und Services gut in der Hand liegen oder einfach zu benutzen sind. Wichtig ist nur, dass wir bei den User:innen nicht aufhören und darüber hinaus Faktoren wie planetare Grenzen einbeziehen.
Cluster 2: Führen & Verbinden
Leadership & Social Influence
Führung heißt, einen Rahmen zu schaffen, in dem andere gute Entscheidungen treffen können. Erfolgreicher darin ist, wer es schafft, über Charisma und Vorbildcharakter zu führen, anstatt auf die Rangordnung zu verweisen. Je komplexer die Probleme, desto verzweigter die Zusammenarbeit: Gerade informelle Führung wird in Zukunft darüber entscheiden, ob wir rechtzeitig Lösungen entwickeln werden oder nicht.
Empathy & Active Listening
Empathische Menschen sind empfänglicher für Zwischentöne. Das sorgt nicht nur im Team dafür, dass sich andere gehört fühlen, sondern hilft auch in komplexen Systemen, wenn es heißt: Was bewegt die einzelnen Teile und was steht zwischen den Zeilen?
Talent Management
Beim Talent Management geht es darum, Potenziale in Menschen zu erkennen und zu kultivieren. Das ist für Organisationen dreifach wichtig: Im Wettbewerb um die klügsten Köpfe, fürs Halten derselben und beim Fördern und Ausbilden von Nachwuchstalenten.
Curiosity & Lifelong Learning
Für uns der vielleicht wichtigste Future Skill: Neugier und das lebenslange Lernen sind der Motor, der uns in schnelllebigen Umwelten kontinuierlich durch die Unsicherheit steuert. Sie helfen uns dabei, uns auf Umstellungen besser anzupassen und ein adaptives Mindset zu entwickeln.
Cluster 3: Handeln & Anpassen
Resilience, Flexibility & Agility
Auch dieser Skillverbund dient dazu, Wandel besser verarbeiten zu können. Während uns eine ausgeprägte Resilienz standhafter gegen Rückschläge macht, helfen uns Flexibilität und Agilität dabei, schneller Lösungen zu finden.
Motivation & Self-Awareness
In komplexen Situationen können wir uns nicht mehr auf bewährte Rezepte verlassen, sondern agieren viel stärker in einem Trial-and-error-Modus. Eine gute Selbstwahrnehmung sorgt für mehr innere Klarheit, um frühzeitig zu merken, ob der eingeschlagene Weg erfolgversprechend ist, aber auch, wann wir Gefahr laufen, zu überlasten oder auszubrennen. Das wird in Zukunft wichtiger, weil Arbeit mental anspruchsvoller wird.
Technological Literacy
Technologische Literacy ist nicht gleichzusetzen mit technologischer Expertise, sondern bedeutet, sich gut in neue Technologien einarbeiten zu können. Das geht mit einer generellen Offenheit gegenüber Technik einher. Notwendig ist das, weil Technologie schon jetzt diktiert, was auf der Welt passiert. Wer das nicht versteht, wird schnell vom Tool gesteuert statt umgekehrt.
AI & Big Data
Heiland und Schreckgespenst: KI & Big Data sind Turbolader fürs Denken und für viele der Grund ihrer Existenzängste. Grund genug, zumindest rudimentär verstehen zu können, wie KI funktioniert und wofür sie sich einsetzen lässt – und wofür nicht. Was bei der Debatte oft hinten ansteht, sind die ethischen Fragen über verantwortungsvollen Einsatz von KI und die Frage, wie wir mit ihr als Gesellschaft leben wollen. Diese Grundlagen auszuhandeln dürfen wir nicht vergessen!

Wie zukunftsfit bist du?
Wie bist du in den Future Skills aufgestellt? Kennst du deine Stärken und Potenziale? Um die herauszufinden haben wir die Dark Horse Future Skills Survey gebastelt. Der einfache Selbsttest dauert zwei Minuten auszufüllen und am Ende erhälts du dein persönliches Zukunftsprofil.

Adaptiv bleiben gegen FOBO
Was nehmen wir mit aus der FOBO-Debatte? Zum einen sollten wir uns nicht kirre machen lassen von reißerischen Schlagzeilen, die das Ende der menschlichen Arbeit propagieren. Panik macht den Kopf nämlich zu und das ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen. Die MIT-Studie legt nahe, dass es immer wieder abrupte Spikes in der KI-Entwicklung geben wird, z.B. der Launch neuer Modelle, die weitere KI-gestützte Use Cases ermöglichen. Sie lässt aber auch annehmen, dass der vorherrschende Modus Operandi, mit dem KI unseren Lebens- und Arbeitsalltag durchdringen wird, sanfter und kontinuierlicher sein wird.
Das lässt uns etwas Zeit und führt uns damit zum zweiten Punkt des Fazits: Sicherheit entsteht aus Beweglichkeit. Wenn wir die Welt interessiert beobachten und uns entlang ihrer Laufbahn weiterentwickeln, ohne unsere Selbstständigkeit zu verlieren, landen wir in jenem Sweet Spot, wo wir uns der Welt anpassen und sie gleichzeitig gestalten können. Future Skills helfen uns dabei, dieses Gleichgewicht zu kultivieren.
