Die Design Thinking Prozess Phasen im Überblick

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Design Thinking Phasen | Design Thinking Prozess

tl;dr Design Thinking wird häufig als Prozess mit unterschiedlichen Phasen dargestellt. Hier ein kurzes Überblick, welche Aktivitäten und Methoden in den einzelnen Phasen angewandt werden.

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Geht es um den Kern von Design Thinking, wird häufig ein 6-stufiger Prozess dargestellt, der Design Thinking als Prozess klar beschreibt. Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Darstellungen, unsere nennen wir liebevoll den Design Thinking BH.

Dark-Horse-DEsign-Thinking-Prozess
Der Dark Horse Design Thinking-Prozess: “Innovations-BH”

In diesem Blogartikel wollen wir nun Schritt für Schritt durch die einzelnen Phasen gehen und sie kurz erklären, sodass Ihr einen guten Überblick bekommt, was der Design Thinking Prozess und seine einzelnen Phasen sind.

1. Verstehen Phase

In a nutshell: Interdisziplinäre Verbreitung von Wissen und Projektplanung

Hier geht es vor allem darum, ein gemeinsames Verständnis der Problemstellung zu bekommen. Das ist wie das Fundament beim Hausbau: hat man keins, wackelt später das ganze Haus.

Ziel dieser Phase ist es, einen möglichst effizienten Start zu erwischen und Missverständnisse, z.B. in bezug auf Erwartungen, zu vermeiden.

In der Understand-Phase geht es z.B. um diese Fragen: 

  • Worum geht es in dem Projekt?
  • Was ist das Ziel, welches Problem soll genau gelöst werden?
  • Wer ist der oder die Nutzer*in, welche Zielgruppe hat bzw. könnte das Problem haben?
  • Wer sind Stakeholder, wer sind Auftraggeber?
  • etc. 

Ziele

  • Problemdimensionen abstecken
  • Mit dem Team in das Thema eintauchen
  • Austausch von Wissen, Verständnis und Standpunkten

Angewandte Methoden (u.a.)

2. Beobachten Phase

In a nutshell: Ethnographische und empathische Nutzerforschung, nicht geäußerte Bedürfnisse zu entdecken

Im zweiten Schritt geht es darum, das Problem besser zu verstehen, und zwar aus der Brille der Nutzer*innen. Was ist das Problem des Nutzers, was ist nur Symptom? Wie sieht der Kontext der Nutzerin aus in dem das Problem ist?

Habe ich in dieser Phase das Problem der Nutzerin nicht richtig verstanden, sind die späteren Lösungen ein reines Glückspiel, ob eine davon erfolgreich ist. Diese Phase ist also elementar.

Ziele

  • Perspektive der Nutzer*innen einnehmen
  • Versteckte Bedürfnisse der Nutzer*nnen erkennen & Empathie entwickeln
  • Konzentration auf reale Bedürfnisse und Probleme

Angewandte Methoden (u.a.)

3. Synthese Phase

In a nutshell: Analyse der Feldrecherche mit Hilfe von Frameworks

Typischerweise findet man in der Beobachten Phase viele Probleme, die man lösen könnte. Aber alle Probleme auf einmal zu lösen führt zur eierlegenden Wollmilchsau. Die ist auch nie sonderlich erfolgreich geworden.

Deswegen geht es in dieser Phase darum, die Erkenntnisse zu einzelnen Problempunkten zu verdichten und sich am Ende für ein Problem zu entscheiden, für das man Lösungen entwickeln möchte.

Ziele

  • Bedürfnisse und Hindernisse definieren
  • Gemeinsame Muster und Abhängigkeiten herausarbeiten
  • Möglichkeitsräume beschreiben
  • Ein Thema für die Ideation auswählen

Angewandte Methoden (u.a.)

4. Ideen Phase

In a nutshell: Entwicklung und Auswahl von Produkt- und Dienstleistungsideen.

Hat man das Problem identifiziert, geht es in der Ideen-Phase darum, möglichst viele Ideen für Lösungen für dieses eine Problem zu finden. Hier geht es viel um Kreativitätstechniken und darum, die Kunden-perspektive zur Förderung der eigenen Kreativität zu nutzen.

Ziele

  • So viele Ideen wie möglich entwickeln
  • Lösungen für spezifische Probleme entwickeln
  • Idee mit dem größten Potential auswählen
  • Unser Team für die Idee begeistern

Angewandte Methoden (u.a.)

5. Prototypen Phase

In a nutshell: Schnelle Umsetzung der ausgewählten Ideen in anfassbare Prototypen

In dieser Phase probiert man vielversprechende Ideen aus, in dem man sie erlebbar macht für die Nutzer*innen. Das können Zeichnungen, Basteleien, Mockups, Papierprototypen sein.

Ziele

  • Unsere Idee zum Leben erwecken
  • Das Konzept weiter ausdefinieren
  • Die Idee anfassbar und erlebbar machen

Angewandte Methoden (u.a.)

  • Papierprototypen
  • 3D Modelle
  • Storyboard oder Video
  • Lego-Comics
  • Landing Page Prototypen

6. Testen Phase

In a nutshell: Test der Prototypen mit Nutzer*innen, Lernen und Iterieren

In der Phase werden die Prototypen mit den Nutzer*innen getestet, um herauszufinden ob die Lösung tatsächlich das Problem der Nutzer*innen löst bzw. ob das Problem wirklich das relevante für den Nutzer ist.

Ziele

  • Den Prototypen mit unseren Nutzer*innen testen
  • Feedback auf verschiedenen Detailebenen gewinnen
  • Unseren Prototypen iterieren

Angewandte Methoden (u.a.)

Das ist also der theoretische Prozess hinter Design Thinking. Neben diesen 6 Schritten gibt es einen zweiten Teil in dieser GRafik, der für Design Thinking enorm wichtig ist: die Pfeile rund um die Phasen, sie repräsentieren Iterationen.

Dark-Horse-DEsign-Thinking-Prozess
Dark-Horse-DEsign-Thinking-Prozess

Die unsichtbare Phase: Iterationen

Denn in der Praxis geht man selten Schritt für Schritt durch diesen Prozess. Oft lernt man unerwartete Dinge über den Nutzer und muss im Prozess wieder hin und her springen. 

  • Stellt man beispielsweise im Test fest, dass man ein wichtiges Problem übersehen hat, dann springt man zurück in die Beobachten Phase.
  • Oder der Test war nicht erfolgreich, man muss nochmal in andere Richtungen denken.
  • Oder man startet schon mit konkreten Ideen im Kopf, dann springt man direkt zum Prototypenbau und Testen.

Problem finden – Problem lösen

Insgesamt kann man den Prozess in zwei grobe Abschnitte unterteilen: im ersten Teil geht es um das “Problem finden”, während der zweite Teil auf “Problem lösen” fokussiert.

Dies klingt erst einmal banal, in der Praxis springen wir allerdings oft direkt in den Problem lösen Modus ohne das Problem richtig verstanden zu haben. Albert Einstein hat uns dazu ein sehr treffendes Zitat hinterlassen: 

“Wenn ich eine Stunde Zeit hätte, um ein Problem zu lösen, würde ich 55 Minuten damit verbringen, über das Problem nachzudenken, und fünf Minuten über die Lösung nachdenken.”  

Albert Einstein

Das zeigt die Bedeutung des Problem finden Teils, den wir so häufig überspringen. Design Thinking ist also nicht nur eine Kreativitätstechnik, es ist vor allem auch eine Problem-finden-Technik.

Das war also im Schnelldurchlauf der Design Thinking Prozess. Dieser Prozess führt einen Schritt für Schritt vom Nutzer zum Nutzerproblem zu nutzerzentrierten Lösungen. Diese Prozessdarstellung ist eines der zentralen Design Thinking Visualisierungen. 

Wenn Euch also jemand als angenehnde Design Thinker fragt “Was ist Design Thinking?”, so wäre diese Prozessvisualisierung ein wichtiger Erklär-Baustein in eurem Design Thinking Repertoire 🙂

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Dieser Artikel ist Teil des Design Thinking Handbuchs, einer Übersicht über alle wichtigen Themen rund um Design Thinking.

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