Design Thinking Übersicht (2022): Alles was man über Design Thinking wissen muss. Oder kann.

Design Thinking ist in den letzten Jahren immer populärer geworden – als Innovationsmethode, als Problemlösungsprozess, als eine der zentralen agilen Methoden. Was aber steckt hinter Design Thinking?

Auf dieser Seite haben wir alle wichtigen Infos, Fakten und Materialen zu Design Thinking zusammengefasst. Viel Spaß beim Stöbern 🤓

Kapitel

  1. Was ist Design Thinking? Design Thinking Definition
  2. Was ist der Design Thinking Prozess?
  3. Welche Design Thinking Methoden gibt es?
  4. Was ist ein Design Thinking Mindset?
  5. Was sind die Vorteile von Design Thinking?
  6. Wann Design Thinking einsetzen?
  7. Welche Grenzen hat Design Thinking?
  8. Wo kommt Design Thinking her?
  9. Wie verbreitet ist Design Thinking?
  10. Berühmte Design Thinking Beispiele
  11. Wie führt man einen Design Thinking Workshop durch? (inkl. Agenda als PDF zum Download)
  12. Design Thinking Übung: Probieren geht über studieren!
  13. Design Thinking Workshops – welcher passt zu mir?

1. Was ist Design Thinking?

Design Thinking ist kein geschützter Begriff, dementsprechend existieren verschiedene Definitionen, die unterschiedliche Perspektiven der Methode hervorheben:

Design thinking is a human-centered approach to innovation that draws from the designer’s toolkit to integrate the needs of people, the possibilities of technology, and the requirements for business success.

Tim Brown, IDEO
(„Erfinder“ der Design Thinking Methode)

Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen

Hasso-Plattner-Institut (HPI)
(akademische Design Thinking Ikone im deutschsprachigen Raum)

Unsere Arbeitsversion einer Design Thinking Definition lautet so:

Design Thinking ist eine kreative und kollaborative Problemlösungsstrategie, um relevante Lösungen für Bedürfnisse und Probleme der Nutzer zu entwickeln.

Design Thinking wird dementsprechend als integratives Denken beschrieben, da es nach Lösungen sucht, die sowohl aus Nutzersicht „relevant“ sind, technologisch „umsetzbar“ und betriebswirtschaftlich „sinnvoll“ sind.

Design Thinking als integratives Denken. (Quelle)

Design Thinking ist Methodenkoffer, Prozess und Mindset; gleichzeitig.

Mit Design Thinking verhält es sich in etwa so wie in der Fabel mit den blinden Gelehrten und dem Elefanten: jeder Gelehrte hat eine unterschiedliche Sicht auf den Elefanten und würde ihn anders beschreiben: als Speer (Stoßzahn untersucht), als Baum (Bein untersucht), als Seil (Schwanz untersucht).

Im Design Thinking gibt es drei Gelehrten-Ebenen:

  • die Prozess-Ebene (Design Thinking Prozess)
  • die Methodenkoffer-Ebene (Design Thinking Methoden)
  • die Mindset-Ebene (Design Thinking Mindset)

Alle Ebenen sind für sich genommen richtige Umschreibungen der Design Thinking Methodik. Aber nur zusammen ergeben sie ein komplettes Bild.

Design Thinking ist also nicht nur ein Prozess oder ein Methodenkoffer oder ein Mindset. Design Thinking ist alles gleichzeitig.

2. Was ist der Design Thinking Prozess?

Dark Horse Darstellung des Design Thinking Prozesses: „Der Innovations-BH“

Der Design Thinking Prozess wird typischerweise in 5 bzw. 6 Phasen dargestellt.

  • Verstehen: Interdisziplinäre Verbreitung von Wissen und Projektplanung
  • Beobachten: Ethnographische und empathische Nutzerforschung, latente Bedürfnisse und Probleme der Nutzer entdecken
  • Synthese: Analyse der Feldrecherche durch Frameworks, um die wichtigsten Probleme aus Nutzersicht zu identifizieren
  • Ideen: Entwicklung und Auswahl von Produkt- und Dienstleistungsideen
  • Prototypen: Schnelle Umsetzung der ausgewählten Ideen in anfassbare Prototypen
  • Testen: Test der Prototypen mit Nutzer*innen, Lernen und Iterieren

In der Lehre wird dieser Prozess immer als linearer Prozess dargestellt, in der Praxis springt man häufig zwischen den Phasen (repräsentiert durch die Pfeile in der Darstellung).

Möchtest du noch mehr über die Design Thinking Phasen wissen ? Hier geht es zur ausführlichen Beschreibung der Design Thinking Phasen >>>

3. Welche Design Thinking Methoden gibt es?

Design Thinking wird nicht nur als Prozess verstanden. In jeder Phase des Design Thinkings werden jeweils unterschiedliche Methoden eingesetzt. Daher wird Design Thinking oft auch als Methodensammlung, als „Methodenkoffer“ bezeichnet.

Bei Dark Horse haben wir aus den Unmengen an Design Thinking Methoden unsere Methoden-Lieblinge zu einem Buch zusammengefasst (Digital Innovation Playbook).

Hier sind die wichtigsten Design Thinking Methoden (inkl. kostenloser Templates zum Download:

Explore-Methoden (für die Verstehen- und Beobachten-Phase)

  • 5-Why-Technik
  • 20:80-Technik
  • Exploratives Interview
  • Nutzer-Motivations-Analyse
  • Interview Guide
  • Personen-Synthese-Cluster
  • Persona
  • Value Proposition Chain
  • Research Mind Map
  • Stakeholder Map
  • Semantische Analyse
  • WKW-Frage
  • Markt-Trend-Analyse
  • User-Journey
  • Fly on the Wall
  • Selbst-Test
  • Cultural Probes
  • Need Hierarchy Technik
  • Download-Storytelling
  • Clustern
  • 2×2 Matrix
  • Venn-Diagram

Möchtest du noch mehr über Explore-Methoden wissen?

5 „Beobachten“-Methoden für mehr Nutzer*innen-Insights >>>

Create-Methoden (für die Ideen- und Prototypen-Phase)

  • Ideenturm
  • Brainstorming generell
  • Brainstroming Regeln
  • Klassisches Brainwriting
  • Collective Notebook
  • Inspiration cards
  • Ideen-Einordnung & Umsetzung
  • Jobs to be done
  • TRIZ
  • Kill your company

Evaluate-Methoden (für die Test-Phase)

  • Hypothesen-Bildung
  • Regeln Nutzertests
  • Wireframes
  • Papierprototyping
  • Mock-ups
  • Storyboards
  • Wizard of Oz
  • Business Model Canvas
  • Pre-Mortem
  • Card-Sorting
  • Appearance-Prototyp
  • Kontext-u. Systemprototyp
  • Value Proposition quantifizieren
  • Test Grid
  • Expertengespräch

Möchtest du noch mehr über Evaluate-Methoden wissen?

Wie strukturiert man ein Test-Interview? >>>

4. Was ist ein Design Thinking Mindset?

Auf der Mindset-Ebene wird Design Thinking oft mittels drei Kernprinzipien beschrieben: Iterativ, Nutzer-zentriert und Kollaborativ. Hier einige Beispiele, wie diese Prinzipien im Design Thinking Prozess oft praktisch gelebt werden.

Iterativ:

  • Keine Diskussion ohne Prototyp
  • Testen statt Diskutieren
  • Keine Perfektion
  • Schätzen, Annahmen treffen & Hypothesen bilden

Nutzer-zentriert:

  • Nur am echten Nutzer testen
  • Es gibt Meinungen und Feedback

Kollaborativ:

  • Es gibt einen Unterschied zwischen Teamarbeit (kollaborativ – gemeinsam produktiv arbeiten) und Gruppenarbeit (kooperativ – Absprachen & dann Einzelarbeit)
  • Sprachliche Kommunikation hat Grenzen, Prototypen sind ein ergänzendes Werkzeuge der Kommunikation & können gemeinsam erarbeitet werden
  • positive und spielerische Arbeitsweise ermöglicht Kreativität 
  • Ein Team performt nur unter psychologischer Sicherheit
  • Unsicherheiten lassen sich mit Humor und Wohlwollen viel besser aushalten

5. Was sind die Vorteile von Design Thinking?

Design Thinking wird eine Reihe von Vorteilen zugeschrieben. Tatsächlich gab es in jüngerer Vergangenheit auch einige wissenschaftliche Studien, die die Erfolge der Methode ausgewertet haben. In einer Studie vom HPI Potsdam aus dem Jahr 2017 wurden folgende Erfolge von Design Thinking nachgewiesen:

Möchtest du noch mehr Zahlen und Studien zu Design Thinking erhalten?

In diesem Video-Auschnitt unseres Online-Kurses findest Du noch weitere Fakten, um Skeptiker*innen zu überzeugen >>>

6. Wann Design Thinking einsetzen?

Design Thinking eignet sich vor zu Beginn eines (Innovations-)Projekts, wenn Problem und Lösung noch nicht klar definiert sind und die Unsicherheit und Komplexität entsprechend hoch ist.

Die Stärken der Methode liegen im explorativen und qualitativen Erforschen neuer Möglichkeiten, Potentiale und Geschäftsmodelle. Für die Ausarbeitung und „Feinplanung“ solcher Lösungen wiederum eignen sich andere Formate und Methoden, wie dieses Schaubild recht anschaulich erklärt:

Noch mehr dazu lesen?

Google Sprint vs. Design Thinking Sprint: Wann setzt man welches Format ein?

7. Welche Grenzen hat Design Thinking?

Natürlich ist Design Thinking nicht die eierlegende Wollmilchsau unter den Innovationsmethoden. Ob Design Thinking im konkreten Fall als Methode sinnvoll ist, entscheidet sich oft im Einzelfall. Es gibt allerdings ein paar Kriterien, die wir oft bei der Beurteilung anwenden:

  • Nutzer*innen: Gibt es in dem Projekt Nutzer- bzw. Kund*innen, die zum Erfolg oder Misserfolg beitragen? Eine reine technische Entwicklung z.B. wäre für Design Thinking ungeeignet.
  • Ist das Nutzer*innen-Problem bereits definiert? Je konkreter das zu lösende Problem bereits vordefiniert ist, umso weniger kann Design Thinking seine Stärken ausspielen, weil hier der Lösungsraum bereits stark eingeschränkt ist. In solchen Fällen ist die Gefahr groß, das „falsche Problem“ lösen zu wollen.
  • Ist die Lösung schon vorgegeben? In solchen Fällen geht es nur noch um die Umsetzung und Ausgestaltung von Lösungen, da sind Best Practice Ansätze o-ä. oft effizienter.
  • Ist der Lösungsweg schon vorgegeben? Dann braucht es wohl eher ein gutes Projektmanagement und keine kreativen Ansätze mehr 🙂

Als Hilfsmittel gibt es hier einen Entscheidungsbaum , der alle Kriterien für Design Thinking nochmal darstellt:

8. Wo kommt Design Thinking her?

Seit den 1960er Jahren taucht der Begriff „Design Thinking“ in der Design-Forschungsliteratur auf. Und es werden Fragen untersucht wie:  Wie arbeiten erfolgreiche Designer? Wie gehen Designer an Probleme heran? Wie denken Designer? Welcher Art sind die Probleme, die sie lösen?

Während die Design-Forschung eher beschreibend vorgeht, gibt es seit den 1990er Jahren eine empfehlende Strömung, die diesen Begriff prägte und maßgeblich in den Mainstream brachte. 

Der Hauptvertreter ist IDEO – die damals schon sehr erfolgreiche amerikanische Produktentwicklungsagentur. IDEO ist z.B. für die Gestaltung der ersten Computer-Maus für Apple bekannt. 

Sie haben aus ihren eigenen Erfahrungen Best Practices abgeleitet und unter dem Begriff Design Thinking zusammengefasst. IDEO hat also maßgeblich den bekannten Prozess, die Werkzeuge und die Gestaltung der Haltung geprägt. Und damit ist IDEO für alle Design Thinker ein bekannter, teils schon verehrter Name. 

Neugierig geworden?

Hier erfährst du noch mehr zur Design Thinking Historie >>>

9. Wie verbreitet ist Design Thinking?

Seit 2016 ist Design Thinking im Mainstream angekommen und das Interesse und die Nachfrage nach Design Thinking nehmen immer weiter zu. Bei zahlreichen erfolgreichen großen Unternehmen wie Apple, Netflix, Amazon, IBM, Airbnb, Google ist Design Thinking Bestandteil der Arbeits- und Denkweise.

Bekannte Unternehmen die Design Thinking einsetzen
Bekannte Unternehmen die Design Thinking einsetzen

10. Berühmte Design Thinking Beispiele

Beispiele für Design Thinking gibt es viele, allerdings schwirren doch hier und da einige Evergreens herum.

Typische Evergreens sind AirBnb und ihr Start des Fotografen-Programms, der MRT für Kinder, der durch ein Redesign deutlich mehr Scanerfolge bei Kindern aufzeigen kann, oder der Baby-Inkubator „Embrace“, der deutlich günstiger als medizinische Inkubatoren in Krankenhäuser ist und auch in ländlichen Gebieten eingesetzt werden kann.

Viele weitere Beispiele finden sich auch in der aktuellen Studie des HPI zum Thema „Design Thinking“. Nicht nur deswegen lesenswert 🙂

Für alle Nostalgiker sei noch dieses Beispiel erwähnt: Zusammen mit dem Fernsehsender ABC hat IDEO ein Designprojekt rund um die Umgestaltung von Einkaufswägen in Supermärkten gestartet. Mit inspirierenden Ergebnissen!

Neugierig geworden?

Hier sind 3 berühmte Design Thinking Beispiele aus der Praxis, die man kennen sollte >>>

11. Wie führt man einen Design Thinking Workshop durch? (inkl. Agenda als PDF zum Download)

Möchtest du selbst einen Design Thinking Workshop durchführen? Und scheust dich aber vor dem Aufwand und der Vorbereitung?

Dann können wir dir eventuell weiterhelfen. Denn wir stellen dir ein Design Thinking Workshop Kit für einen 90-minütigen Kennenlern-Workshop kostenlos zur Verfügung.

Hier ein Überblick, was wir ins Design Thinking Workshop Kit gepackt haben (kostenlose Templates, Agenda und Checklisten):

  • Eine detaillierte Workshop Agenda für einen 90-Minuten Workshop
  • Moderatoren-Notizen für jeden Agenda-Punkt
  • Ein ausführliches Moderatoren-Briefing zu Design Thinking und dem Einsatz in Unternehmen
  • Interaktive Design Thinking Übung inkl. Übungs-Template für die Teilnehmer
  • Ein Online-Template in Mural, falls Du den Workshop digital halten willst
  • Dark Horse Vortragsfolien (als PDF, damit keiner technische Probleme bekommt)
  • Eine Materialien-Checkliste mit all den wichtigen Materialien, die du benötigst
  • Eine Raum-Checkliste, um deinen Workshopraum optimal vorzubereiten

Interessiert?

Hier geht es zum kostenlosen Download >>>

12. Design Thinking Übung: Probieren geht über studieren!

1 Übung sagt mehr als 1000 Worte – sagte mal Konfuzius. Vielleicht. Auf jeden Fall trifft dieser Spruch auf Design Thinking zu. Ähnlich wie beim Fahrrad fahren kann man viel Lesen und die Best-Of-Youtube-Videos anschauen – Fahrrad fahren kann man deshalb noch nicht.

Es gibt eine Menge Design Thinking Übungen, die aber in der Regel immer nur mit 2 oder mehr Übenden funktionieren. Deswegen haben wir die berühmte „Design Thinking Wallet Übung“ so umgebaut, dass man auch alleine in 20 Minuten Design Thinking einmal selbst ausprobieren kann.

Übung starten? Dann hier entlang >>>

13. Design Thinking Workshops: welcher passt zu mir?

Um Design Thinking zu vertiefen, lohnt sich in der Regel ein Workshop. Allerdings gibt es eine Menge unterschiedliche Workshops und Seminare, angefangen von kostenlosen Email-Kursen, über Video-Kursen (auch von uns) und Online-Workshops bis hin zu 1- bis 3-tägigen Intensiv-Workshops.

Was passt aber am besten zu deinem Bedürfnis? Dieser kleine Test hilft dir (hoffentlich) weiter.

Welcher Workshop passt zu mir?

Sorry, dieser kleine Test ist noch nicht fertig, aber in Arbeit 🙂